Monate: April 2014

Phrasen: Wem gehört das Kind?

„Wem gehört das Kind?“ – „Sich selbst.“ Eine gedankenlose Frage. So dahin geworfen. Erst die Antwort verwirrte den Fragenden. „Wieso sich selbst? Das meinte ich doch gar nicht.“ Wirklich nicht? Oft sind es gerade die unüberlegt daher gesagten Phrasen, die unser Denken entlarven. Wie sehe ich (m)ein Kind? Als Objekt oder Subjekt? Besitz der Eltern? Oder als eigenständiges Individuum von Anfang an. Mit riesigem Potential und unendlichen Entwicklungsmöglichkeiten. Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch, Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht. Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, Denn sie haben ihre eigenen Gedanken. Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen, Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen. Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt …

Familie in der Pubertät

Wir sind mittendrin. Nein, nicht nur mein 14-jähriger Sohn, auch wir Eltern stecken in der Pubertät. Gefühlsschwankungen inbegriffen. So schwanke ich innerhalb von kürzester Zeit zwischen „Was habe ich für einen tollen Sohn!“ (wenn er zum Beispiel eine witzige Bemerkung macht oder sich liebevoll um den kleinen Bruder kümmert) und „Wenn er 18 ist, fliegt er sofort raus!“ (zum Beispiel wenn ich ihn zum zwanzigsten Mal um etwas bitte oder gerade einen Blick in sein Zimmer geworfen habe). Und bei Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn – die hier mittlerweile an der Tagesordnung sind – frage ich mich regelmäßig, wer von den beiden eigentlich 14 ist. Kurz gesagt: Es ist anstrengend, denn ich weiß nie, ob ich gerade mit dem Kind oder dem Erwachsenen spreche, die sich beide in meinem Sohn aufhalten. In dieser Situation ist mir mein Kind oft fremd. Ich weiß nicht immer, wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll. Da ist mir kürzlich ein Text wieder in den Sinn gekommen, den wir zu seiner Taufe ausgesucht hatten. Er stammt von einer 16jährigen und …

Achtsamkeit – ein erster Wurf

Was ist eigentlich Achtsamkeit? Ein großes Wort. Aber ein feines. Überlegen wir mal: achtsam sein. Auf etwas achten. Beachten. Klingt schon recht stressfrei, oder? Naja, beinahe. Wenn wir gleich zum Kern kommen wollen: Was nützt Achtsamkeit im Familienalltag? Was hilft es, achtsam zu sein – um Erwerbstätigkeit, Kinder, Haushalt und social life zu managen? Legen wir erst ein paar Grundlagen: Achtsamkeit bedeutet einfach, dass Sie sich mit freundlicher Akzeptanz bewusst sind, wo Ihr Geist von einem zum nächsten Moment ist. Diese Art einfacher Aufmerksamkeit kann eine tief transformierende Wirkung auf unser tägliches Leben haben. Wir können lernen, sehr gewöhnliche Dinge zu genießen, wie das Aroma eines Apfels zum Beispiel. Wir können lernen, große Härten zu ertragen, wie den Tod eines geliebten Menschen, einfach, indem wir lernen, bewusst zu sein. Germer, Siegel, Fulton (Hrsg) .Achtsamkeit in der Psychotherapie Andere Aspekte zur Achtsamkeit, direkt aus der frühen buddhistischen Lehre: „Weise Aufmerksamkeit“ ist das lenkende Hintergrundbewusstsein, die für das tiefe Verstehen des übergeordneten Zwecks der Achtsamkeit sorgt. „Wissensklarheit“ oder „Wachsamkeit“ überschaut die körperlichen, rednerischen und geistigen Aktivitäten, um diese positiv zu formen. „Begeisterung“ bringt den notwendigen Willen hervor, um das Heilsame zu entwickeln. „Achtsamkeit“ bleibt der Phänomene …

Umgang mit Schuldgefühlen

Wahrscheinlich kennen wir alle Situationen, in denen wir uns unseren Kindern gegenüber schuldig fühlen. Wenn wir ungeduldig waren und die Nerven verloren haben. Wenn wir das Gefühl haben, die Wut unserer Kinder nicht aushalten zu können. Oder wenn sich herausstellt, dass sich das Kind im sorgfältig ausgesuchten Sportverein nicht wohl fühlt. Schuld ist ein destruktives Gefühl. Noch bevor andere uns verurteilen, verurteilen wir uns selbst. Und dabei sind wir oft kritischer als unser Umfeld. „Ich bin eine schlechte Mutter.“ „Mein Kind wird mich später dafür hassen.“ Diese Gedanken bringe uns dazu, uns immer schlechter zu fühlen. Doch meist führen sie nicht dazu, dass sich die Beziehung zu unseren Kindern bessert. Denn  Schuldgefühle stehen zwischen uns und unseren Kindern wie eine Mauer. Daher ist es wichtig, sanft zu uns selbst zu sein. Uns selbst gegenüber Einfühlung zu zeigen. Mitgefühl statt Schuldgefühl. Wege aus der Schuldfalle So können wir uns zum Beispiel fragen, ob wir in der Situation, als wir vor Ungeduld die Nerven verloren haben, genug Unterstützung hatten. Als Eltern sollten wir nicht immer allein mit …

Phrasen: “Bleib so, wie du bist.”

„Bleib so, wie du bist“, wünschte mir jemand vor kurzem. Am liebsten hätte ich aufgeschrien: „Nein! Wünsche mir das nicht! Ich will das nicht!“ Bleiben wie ich bin, bedeutet Stillstand, Tod. Ich will leben, wachsen, lernen, mich weiter entwickeln. Natürlich erkenne ich die gute Absicht hinter der Phrase, die Anerkennung. Dennoch gefällt sie mir nicht. Viel lieber würde ich hören: „Du bist toll. Ich bin gespannt, wie du dich weiter entwickelst.“