Monate: September 2014

Komfortzonenwechsel

Im Feminismus fällt der Begriff öfter mal: Komfortzone. In der Regel wird auch gleich drauf hingewiesen, dass die Komfortzone gewechselt oder verlassen werden müsse. Und in der Regel sind die Männer damit gemeint, die doch ihre Komfortzone verlassen sollen. Komfortzone ist keine Einbahnstraße Aber, so leid es mir tut: Die Komfortzone ist eben keine Einbahnstraße. Es geht nicht nur darum, lediglich Andere aus ihren Ruhebereichen zu locken. Sondern vor allem und insbesondere geht es darum, selbst auch den eigenen gemütlichen Bereich zu verlassen und sich an neue Aufgaben zu wagen. Wir stoßen hier oft an kulturelle und gesellschaftliche Grenzen (siehe: maternales Gatekeeping und paternales Vollpfosting). Was steckt hinter der Komfortzone? Ein Beispiel, um das Ganze zu verdeutlichen: Berufstätige Frau mit Familie. Sie erhält das Angebot, für einen besser dotierten Job den Arbeitsplatz zu wechseln. Erwartet werden dabei durchaus auch Reisetätigkeiten und (moderates) Arbeiten am Wochenende. Die Frau sagt ab, sie könne die Betreuung der Kinder nicht gewährleisten. Und wie es so ist, in unserer Filterblase kommt dann häufig genug der Gedanke auf: „Dann muss halt …

#BlogLeseLiebe: MyMonk

Das Experiment Selbstversorgung und den Blog windelfrei hat Uta bereits vorgestellt. Heute reihe ich mich mal mit einem meiner liebsten Blogs ein bei unserer Reihe #BlogLeseLiebe. Der Tim von MyMonk kam mir bei einer Recherche unter die Augen. Er bot ein kostenloses E-Book an, ich habe es heruntergeladen. Auch wenn viele Sachen darin schon bekannt waren: die liebevolle Aufmachung und die detaillierte Arbeit dahinter haben mich gefesselt. Der Blog Achtsamkeit, Meditation, Selbstfindung, schöne neue Arbeitswelt: Das sind die Themen hinter MyMonk. In kleinen Schritten zeigt der ehemalige Unternehmensberater mit bestem Uni-Abschluss, was für ihn mittlerweile das Leben leichter macht. Für mich sehr wichtig ist dabei folgendes: Er verschleiert weder seine eigenen Erfahrungen mit Burn-out und Arbeitsüberlastung noch lässt er uns Leser mit reiner Problemschilderung alleine. Seine Beiträge sind gut durchmischt: Von klaren Anleitungen bis zu kleinen Denkanstößen ist alles vertreten. Nicht zu vergessen seine E-Books, die wichtige Punkte in der Achtsamkeit nochmal bündeln. Mein Fazit Wer eilig durchs Leben geht und das gerne ändern würde, ist bei MyMonk absolut richtig. Ich finde es vor allem …

Maternal Gatekeeping und paternales Vollpfosting

Vielleicht habt ihr schon mal Mütter erlebt, die sich über ihre Männer beklagen. „Nicht mal die Spülmaschine kann er einräumen.“ „Den kann man mit dem Kind nicht allein lassen, der würde nicht mal merken, dass die Windel voll ist.“ In so einer Situation frage ich mich immer, ob es sich dabei um maternal gatekeeping oder um paternales Vollpfosting handelt. Häh? Was’n das? Maternal gatekeeping bezeichnet ein Verhalten von Müttern, die ihre Partner daran hindern, sich in Bezug auf die Kinder zu engagieren. Da fallen gerne so Sätze wie: „Lass mich das mal lieber machen.“ oder „Ich kann das besser/schneller als du“. Paternales Vollpfosting ist quasi das Gegenstück dazu. Man könnte es auch „väterliches Dummstellen“ nennen. Es ist das Phänomen, dass sich manche Väter absichtlich blöd anstellen, damit sie so ihre lästigen Pflichten loswerden. Und warum das Ganze? Meiner Meinung nach bringt sowohl das eine als auch das andere Verhalten keine Vorteile. Zwar ist es schön, wenn ich als Mutter die wichtigste Person im Leben meiner Kinder bin, aber warum sollte ich diese wichtige Rolle nicht …

Jungen in der Genderfalle

Immer wieder lese ich Berichte über die Pinkifizierung der Lebenswelt kleiner Mädchen. Große Kampagnen wie Pinkstinks setzen sich für die Abschaffung sexistischer Werbung und die Rollenzuschreibungen für Mädchen ein. Aber mir als Mutter von zwei Söhnen fehlt der Blick auf Jungen in der Debatte. Denn auch Jungen leiden unter der Genderisierung und oft mehr als Mädchen. Beispiel: Farben Mädchen haben die freie Auswahl. Sie können jede Farbe tragen. Natürlich gibt es die Pinkifizierung und Mädchensachen sind gegendert. Aber immerhin geht die Auswahl über braun, blau und dunkelgrün hinaus. Beispiel Frisur Auch hier haben Mädchen mehr Möglichkeiten. Denn auch wenn sie kurze Haare haben, bekommen sie nicht so viele Bemerkungen zu hören wie ein Junge mit langen Haaren. Der wird dann gleich gefragt, ob er denn ein Mädchen sei. Als ob das etwas Negatives wäre. Beispiel Rollenvorbilder Jungen haben die Auswahl zwischen Superhelden, Indianern und Fahrzeugen. Auf jeden Fall geht es immer um stark sein, mutig sein, Abenteuer und Kampf. Da ist kein Spielraum für Weichheit, Empathie und Schönheit. Dabei sind das Dinge, die auch Jungen …

Netzwerken, Clans bilden – wie, zum Teufel?!

Es braucht ein Dorf, um ein Kind aufzuziehen Altes, afrikanisches Sprichwort über das wir hier ja auch schon geschrieben haben. Sehr beliebt unter allen bindungsorientiert Erziehenden (APlern). Gemeint ist: Kinder aufziehen ist die Angelegenheit der Gesellschaft – nicht einzig die Sache von Mutter und Vater. Die brechen nämlich unter dieser Last zwangsläufig irgendwann zusammen. Siehe: Burn-out bei Müttern und rasant steigende Antragszahlen zu Mutter-/Vater-Kind-Kuren. Dieses Ding mit den Clans Was sollen die eigentlich leisten? Erziehungsarbeit auf viele Schultern verteilen Erfahrungen und Wissen von unterschiedlichen Menschen mit verschiedenen Voraussetzungen (Alter, Beruf/Fachwissen, Geschlecht, Charakter, Temperament…..) vermitteln Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit (im weitesten Sinne: Nahrungsbeschaffung!) und Familie möglich machen Klingt traumhaft, oder? In westlichen Kulturen hat das lange Zeit das Dorf beziehungsweise die Großfamilie übernommen. Bis es die Großfamilie irgendwann nicht mehr gab und Familien sich im Kern auf Eltern plus Kinder beschränkte. Die gesamte Verantwortung für Essen, Schlafen, Bewegung, Spielen, Bildung, Kleidung, Dach überm Kopf und so weiter und so fort – alles bleibt bei eben diesen Eltern hängen. Nicola und Julia vom Artgerecht Projekt veranstalten seit einiger …