Monate: Juni 2015

Kleinvieh macht auch Mist – sich Treiben lassen

Das Kind ist krank, ich stehe auf Abruf bereit. Eigentlich müsste ich korrigieren, aber dafür muss ich über längere Zeit konzentriert arbeiten. Das ist gerade einfach nicht drin. Außerdem müssen wir in einer Dreiviertelstunde los zum Kinderarzt. Einfach treiben lassen Also lasse ich mich von einer kleinen Erledigung zur nächsten treiben. Spülmaschine ausräumen, Altpapier in die Kiste räumen, ein kurzes Telefonat, eben die Bücher online bei der Bibliothek verlängern oder Wäsche legen. Alles Dinge, die gemacht werden müssen, die wir aber oft nicht als Arbeit wahrnehmen. Dieses intuitive Sich treiben lassen von einer Aufgabe zur anderen lässt mich sehr produktiv werden. Ich schaffe sehr viele Kleinigkeiten und die Wohnung wird auch ordentlicher. Gleichzeitig kann ich jederzeit meine Arbeit unterbrechen und mich um mein krankes Kind kümmern. So kann auch an solchen Tagen viel erledigt werden. Wichtig finde ich dabei, eine Done-Liste zu führen, damit ich nicht am Ende des Tages das Gefühl habe, nichts geschafft zu haben.

Bedürfnisse: Gesehen werden, Akzeptanz

Wir möchten alle gerne gesehen und akzeptiert werden. Gerade Kinder fordern Aufmerksamkeit oft vehement ein „Mama, guck mal.“ Dabei geht es ihnen meist nicht darum, gelobt zu werden oder Wertschätzung zu erfahren. Sie wollen sich nur versichern, dass man sie sieht. Und zwar wirklich sieht, nicht nur ansieht. So, wie ich bin. Beim Gesehen werden geht es um Akzeptanz. Wir möchten so angenommen werden, wie wir sind, uns nicht verstellen müssen. Wir möchten wahrgenommen werden und die Botschaft, die wir wünschen ist: „Ich sehe dich. Du bist ok, so wie du bist.“ Dabei muss das nicht einmal unbedingt ausgesprochen werden. Meist genügt es, zu beschreiben, was man sieht. „Du bist alleine gerutscht. Das habe ich gesehen.“ Es geht nicht um Lob Lob stehe ich – wie ja schon an anderer Stelle geschrieben – skeptisch gegenüber. Es geht auch nicht um Lob, sondern darum, dass jeder Mensch gerne von anderen Menschen wahrgenommen werden möchte. Denn es fühlt sich sehr schlecht an, wenn wir den Eindruck haben, unsichtbar zu sein. Wenn niemand uns beachtet. So geht es …

Vereinbarkeit mit kompetentem Kind

Selbstständigkeit ist eins der großen Ziele in den herrschenden Erziehungsstilen. Zumindest empfinde ich das so. Schlafen sollen die Kinder, wach und fit sein. Alleine spielen, sich selbst beschäftigen können. Langeweile aushalten können. Tatsächlich sind das durchaus Eigenschaften, die für erwerbstätige Eltern wichtige Rollen spielen. Wer abends noch etwas nacharbeiten muss, hat es mit einem schlafenden Kind leichter – oder mit einem, dass sich eben selbst beschäftigt, statt bespaßt werden zu wollen. Kinder sind kompetent Ok, für bindungsorientiert erziehende Eltern ist das keine Neuigkeit. Natürlich sind Kinder kompetent! Schlafen nach Bedarf, Essen wenn sie hungrig sind, trinken wenn sie durstig sind – das leisten Babys schon im Mutterleib. Und wenn sie einfühlsame Eltern haben, verlieren sie diese Kompetenz für die eigenen Grundbedürfnisse auch im späteren Leben nicht. Das Aber kommt mit einem dicken Ende: Kompetente Kinder fordern uns. Denn kompetente, selbstständige Kinder entscheiden selbst, wann sie was brauchen. Davon rücken sie – diese sehr klugen, kompetenten  Kinder – auch nicht ab, wenn das Umfeld langsam auf Verzicht und Gehorsam hofft. Szenen aus dem Leben eines kompetenten …