Denkt doch mal an die Kinder! #regrettingmotherhood

Denkt doch mal an die Kinder! #regrettingmotherhood
Denkt doch mal an die Kinder! #regrettingmotherhood

Diese Forderung taucht häufiger auf. Und obwohl ich davon ausgehe, dass jede bereuende Mutter auch an ihr Kind/ihre Kinder denkt bei der ganzen Diskussion, ist natürlich die Aufforderung dazu trotzdem berechtigt.

Warum Elternblogger immer an ihre Kinder denken sollten

Genau – Elternblogger. Denn, seien wir ehrlich: Wir (Mütter und Väter) posaunen unglaublich viel aus dem Alltag mit unseren Kindern in die Welt. Wir schreiben von Wut- und Trotzanfällen, von netten Gedanken und großen Kunstaktionen der Kleinen. Aber auch von Verzweiflung, „blöde Mama“ Kommentaren und schwierigen Autofahrten.

All das kann uns unser Kind später mal um die Ohren hauen – denn was im Internet ist, bleibt im Internet. Right? Und wenn es nicht unsere Kinder machen, dann machen es andere Eltern. Auch dazu gibt es bereits hinreichend viele Beiträge im Bloggernetzwerk.

Und für den Fall der bereuenden Mütter wäre das besonders schwerwiegend, wenn das Kindlein später mal darauf stoßen würde. Das will ich nicht bestreiten. Unvorbereitet auf diese Diskussion zu stoßen und sich selbst beziehungsweise seine Mutter darin zu erkennen – das dürfte sehr schwierig werden zu verarbeiten.

In den Facebook-Diskussionen häufen sich mittlerweile die Berichte von besagten Kindern, denen die Mütter klar und in frühester Jugend ins Gesicht sagten, sie hätten sie besser nicht bekommen.

Ist das vergleichbar?

Ich denke nicht. Und jetzt kommt die Begründung: Einem Kind (!) so etwas ins Gesicht zu sagen, meist in drastischen Worten und oft (den traurigen Beschreibungen zufolge) begleitet mit abwertendem Verhalten und liebloser Kindheit – das ist eine große, schlimme Nummer. Etwas, das tatsächlich kein Kind erleben dürfte.

#regrettingmotherhood wird allerdings – von den wenigen, die öffentlich bereuen und nicht nur von ambivalenten Gefühlen berichten – sehr reflektiert besprochen. Nennt mich naiv, aber die Kinder dieser so reflektierten Mütter werden wohl später auch vergleichsweise reflektiert agieren. Sie werden – hoffentlich, das wünsche ich den Kindern und den Müttern – nachfragen, das Gespräch suchen und gemeinsam eine Basis finden.

Falls euch „Denkt doch mal an die Kinder“-Rufenden das aufgefallen ist: Die meisten bereuenden Mütter agieren per Nickname. Oder völlig anonym innerhalb einer Bloggemeinschaft. Natürlich könnte man sie mit etwas Detektivarbeit identifizieren. Klar. Das kann man aber mit allem und jedem.

Die ambivalenten Mütter, die, die ein „Ich liebe meine Kinder, aber…“ beschrieben haben – treten wesentlich häufiger unter realen Namen auf. Und wisst ihr was? Da steht doch deutlich, wie sehr sie ihre Kinder lieben. Und das es halt manchmal zu viel ist, zu laut, zu nervig.

Was vorauseilender Gehorsam mit uns macht

Konfliktpotenzial im Umgang mit kleinen Kindern minimieren? Auf jeden Fall, da bin ich sofort dabei. Aber vorauseilend jede mögliche Konfliktsituation entschärfen, für den Fall der Fälle mein Kind könne in 5-15 Jahren mal meinen/seinen Namen googeln? Ähh…… nö, danke.

Die Grundregel für Veröffentlichungen im Internet lautet für alle gleichermaßen:

Überleg dir gut, ob du hinter diesen Worten stehen kannst – jetzt und in 5-10 Jahren.

Menschen können sich weiter entwickeln, ihre Meinung ändern und so weiter – sicher. Deshalb aber gleich GAR KEINE (oder eine sehr gesellschaftskonforme, wenig kontroverse) Meinung mehr zu veröffentlichen, um möglicherweise später das eigene Kind nicht vor den Kopf zu stoßen – macht das Sinn? Wirklich?

Zwei lesenswerte Debatten zum Grundsatzthema „Kinder in den sozialen Medien/im Internet“ hat es gerade heute in meine Leseliste gespült:

  1. Caroline Fetscher: Das ist Missbrauch
  2. Steve Rueckwardt: Ja, bitte sehr, Kinder ins Social Web

Und den sehr differenzierten Beitrag von Jonny Häusler (mal wieder nur zu KinderFOTOS im Netz) gibt es auch noch.

Ganz ausführlich wird das Thema zusammengefasst von NewKidontheBlog.

2 Responses »

  1. Pingback: Über die Privatsphäre unserer Kinder - New Kid And The Blog

  2. Liebe Sabrina,

    ich danke Dir für diesen Text. Ich habe auch schon überlegt, etwas darüber zu schreiben, weil ich denke, dass dies wirklich alle Elternblogger betrifft.

    Wer weiß denn schon, wie peinlich es z.B. Sohnemann irgendwann sein wird, wenn seine Eltern über seine Trotzanfälle oder über das lange Stillen bis ins Kleinkindalter oder über das Schlafen im Familienbett oder über das schwierige Geburtserlebnis oderoder berichtet haben?

    Wo legen wir da die Messlatte an?

    Wenn wir schon über unsere Kinder und unsere Erfahrungen als Mütter oder Väter schreiben, sollten wir damit rechnen, dass diese offene Berichterstattung aus dem Familienalltag unseren Kindern irgendwann unangenehm sein könnte – egal wie puschelig, harmlos und liebevoll uns das vorkommt. Das kann für unser Kind in der Pubertät sehr unangenehm/unpuschelig werden.

    Wichtig ist dennoch, dass wir achtsam mit Veröffentlichungen umgehen und dass wir – wie Du das so schön schreibst – auch in ein paar Jahren noch zu unseren Aussagen stehen und sie ggfs. unseren Kindern erklären können.

    Herzliche Grüße
    Rona

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